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| Liebe Leserinnen, liebe Leser!
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| Bevor der große Temperatursturz kommt und wir wieder bei rund 30 Grad schlottern müssen, sollten wir vielleicht doch noch einmal darüber nachdenken, was wir aus dieser obszönen Hitzewelle lernen können. Denn auch wenn das gerade niemand hören will: Die Zahl der Hitzetage in Österreich wird weiter steigen.
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| Selbst wenn wir es als Menschheit schaffen sollten (und wir sollten), die UN-Klimaziele zu erfüllen, wird sich die Erde weiter aufheizen. Der umfassende „Zweite Österreichische Sachstandsbericht Klima“ – perfekte Sommerlektüre übrigens – rechnet allein im Zwei-Grad-Szenario mit einer Verdreifachung der Tage, an denen es mehr als 30 Grad hat, gegenüber der „guten (k)alten Zeit“ bis 1990.
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Selbst für die Hitzeaffinen unter uns hat diese Steigerung in Summe eine Menge unangenehmer Auswirkungen: Neben den gesundheitlichen Auswirkungen – allen voran auf ältere Mitbürger – leidet die Produktivität unter hohen Temperaturen, die Erhaltung von Infrastrukturen von Straßen bis hin zu Stromnetzen wird teurer und die Folgeeffekte von Hitzewellen – Dürre und/oder Unwetter – treiben nicht zuletzt auch die Lebensmittelpreise in die Höhe.
Die schlechte Nachricht: Auch wenn die vergangenen Tage etliche Rekordtemperaturen gebracht haben – es wird jedenfalls noch schlimmer. Der Klimawandel ist längst Realität und wir werden uns an solche Hitzewellen gewöhnen müssen.
Die gute Nachricht: Wir stehen dem nicht hilflos gegenüber. Allen voran die Klimaanlage – in den meisten Autos längst Standard – wird auch in immer mehr Wohn- und Arbeitsräumen einziehen müssen. Im privaten Bereich hat der Staat – konkret Länder und Gemeinden – hier vor allem die Rolle, aus dem Weg zu gehen: Bau- und Raumordnungen, die strenge Auflagen vorsehen (etwa zum Erhalt des Ortsbildes), sollten hier schleunigst liberalisiert werden, um Eigentümern den Weg zur Anpassung an die neue Klimawelt nicht zu verstellen. Durch die ideale Kopplung mit der Solarenergie – die vor allem dann im Überfluss vorhanden ist, wenn Klimaanlagen am meisten gebraucht werden – fallen die zentralsten Argumente gegen ihren Gebrauch weg.
Im öffentlichen Bereich, wo noch bis vor kurzem Spitäler, Schulen und andere Einrichtungen ohne adäquate Klimatisierung errichtet worden sind, wird es Priorisierung brauchen, um die ohnehin angespannten Budgets nicht zu überfordern. Klar sollte sein: Wo auch immer öffentliche Gebäude neu gebaut oder saniert werden, sollten Hitzeschutzkonzepte und Klimaanlagen immer mitgedacht werden. Langfristig sollte sich jede Gebietskörperschaft überlegen, wie sie ihre Gebäude nachrüsten kann.
Noch langfristiger sollten wir nicht vergessen – hier ist der Klimaminister, der sich primär als Landwirtschaftsminister sieht, am Zug –, dass es neben Anpassungsmaßnahmen auch Österreichs Beitrag brauchen wird, um die weitere Erderhitzung zumindest in einigen Jahrzehnten einzudämmen. Das heißt, dass wir auf unserem in der EU vereinbarten Zielpfad bleiben und dafür die gesetzlichen Rahmenbedingungen schaffen müssen – vom zentralen Klimagesetz ist in der Koalition leider noch immer nichts zu sehen.
Zuletzt und am wichtigsten: Sowohl kurz- als auch langfristig ist kluge Strompolitik die beste Klimapolitik. Ob und wie effektiv Klimaanlagen und Kühlsysteme arbeiten können, hängt vor allem von den Strom- und Netzkosten ab, mit denen sie betrieben werden können.
Erfreulicherweise hat die Koalition (mit den Stimmen der Grünen) hier mit dem ElWG und dem EABG die gesetzlichen Grundlagen dafür geschaffen, dass nicht nur der Ausbau der Erneuerbaren weiterläuft, sondern vor allem auch jener von großen Batteriespeicheranlagen Fahrt aufnimmt – der besonders in Hitzewellen relevant sein wird, wenn in den Abendstunden die Sonnenenergie nachlässt, die Kühlsysteme aber noch ein paar Stunden weiterlaufen müssen.
Genau solche Spitzen werden Batterien ideal überbrücken und damit den Strompreis tendenziell niedrig halten. Damit das bald passieren kann – und weil es um die Frage geht, wer damit Geld verdienen wird – tobt hinter den Kulissen ein beträchtlicher Lobbyisten-Kampf um die entsprechenden Verordnungen der E-Control, die die allgemeinen Vorgaben des ElWG für die Praxis detaillieren müssen.
Es geht hier um Milliarden, die am Ende die Stromkunden zahlen werden müssen. Es ist nachvollziehbar, dass die Regulatoren da bedächtig agieren – mit Begutachtungsfristen und fachlichem Feedback. Aber die Frage, wie schnell in Österreich das Netz stabil ausgebaut werden kann, ist nicht nur für die Erneuerbaren-Bilanz entscheidend – sondern auch dafür, wie gut wir mit der Hitze zurechtkommen werden.
Herzlich,
Ihr Georg Renner
PS: Der Leitfaden macht im Juli Pause. Wir lesen einander am 4. August wieder. Ich wünsche – trotz allem – einen erholsamen Sommer.
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