Statt Carbon Credits zu verkaufen, das CO2 lieber in Bier speichern?! ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌  ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌  ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌  ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌  ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌  ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌  ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌  ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌  ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ 
                                                           
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Jedoch hat sich in der Vergangenheit oft gezeigt, dass diese Wiedergutmachung die ursprüngliche Ohrfeige nicht wettmachen kann – weil Projekte angaben, mehr Emissionen einzusparen, als sie tatsächlich einsparten. Oder weil das CO2 nur für ein paar Jahre gespeichert wurde, einmal ausgestoßene Emissionen aber teilweise Jahrhunderte lang in der Atmosphäre bleiben. Das System hinter der Vergabe von Zertifikaten erwies sich als betrugsanfällig.

Das Wiener Start-up Econetix möchte das Vertrauen in Carbon Offsets und den darum entstandenen Kohlenstoffmarkt zurückgewinnen. Den Eurovision Song Contest, den SK Rapid Wien und die Ex-Umweltministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) haben sie mit ihrer KI-Lösung bereits überzeugt. Kann das gelingen?
GEHT DIESE GLEICHUNG AUF?
Auf unserer Newsletter-Reise sehen wir uns zuerst die skandalreiche Vergangenheit von Carbon Offsets – anhand eines Beispiels aus Peru an. Die Vertrauenskrise, die diese Fälle ausgelöst haben, trifft leider auch Projekte, die halten, was sie versprechen, etwa in Kenia. Wenn wir CO2 aus der Atmosphäre holen – die einzig wissenschaftlich „ehrliche“ Art Emissionen auszugleichen – müssen wir es irgendwo speichern. Eine Firma in den USA weiß, wo: in Bier. Viel Spaß beim Lesen!
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PERU
Augen zu und durch
Elias Ayrey war der Chefwissenschaftler von Pachama, einem US-basierten Carbon-Offset-Anbieter. Bis 2023 hatte das Start-up rund 80 Millionen Dollar eingesammelt; zu den Investor:innen zählten Prominente wie Serena Williams und Ellen DeGeneres. Doch je steiler die Erfolgskurve bei Pachama nach oben zeigte, desto besorgter wurde Ayrey. Es gab ständig zu wenig Credits, um die Nachfrage der Käufer:innen zufriedenzustellen. Also wurde Ayrey zufolge manchmal ein Auge zugedrückt: Pachama verkaufte Zertifikate von Projekten, die Wälder schützten, obwohl diese gar nicht gefährdet waren. In einem Fall, bei dem peruanische Nussbauern für Walderhaltung bezahlt wurden, wurde seit Beginn des Projekts sogar mehr abgeholzt als davor. Der Betreiber verschob einfach die Grenzen des geschützten Gebiets, um abgeholzte Bereiche aus dem Projekt zu exkludieren. Trotz Hinweisen auf diese Unregelmäßigkeiten verkaufte Pachama die Credits zunächst weiter. Elias Ayrey kündigte. Die neunmonatige Recherche des Investigativnetzwerks SourceMaterial, der deutschen Wochenzeitung Die Zeit und des britischen The Guardian kannst du hier lesen.
ZU SOURCE MATERIAL
KENIA
Geld wächst nicht auf Bäumen
In Kasigau befindet sich das erste jemals von Verra, einem der größten Zertifizierer von Carbon Offsets, zugelassene Projekt. Die lokale Bevölkerung bekam über dessen Laufzeit rund 70 Millionen Dollar als Belohnung dafür, dass sie einen Teil des Waldes im Nationalpark Tsavo schützt und so Carbon Credits generiert. Dieses Geld hat in Kasigau einen echten Unterschied gemacht – Schulen, Gesundheitseinrichtungen und Trinkwasserspeicher finanziert. Einen Unterschied macht das Projekt auch für den Wald – welche Zukunft ihm ohne den Schutz droht, ist auf der anderen Seite des Kasigau-Korridors zu sehen, der den Nationalpark in Ost und West teilt. Auf der einen Seite Bäume und Artenvielfalt. Auf der anderen gerodete Flächen, verbrannte Stämme und Landwirtschaft. Doch durch Skandale wie den bei Pachama wurde das Vertrauen in den Kohlenstoffmarkt erschüttert. Vorwürfe sexualisierter Gewalt gegen Mitarbeiter des Betreibers Wildlife Works verschärften die Krise zusätzlich. Viele Unternehmen stoppten den Kauf von CO2-Zertifikaten, die Einnahmen brachen ein. Für Menschen und Wald vor Ort bedeutet das allerdings existenzielle Sorgen. The Guardian hat Kasigau besucht.
ZUM GUARDIAN
VEREINIGTE STAATEN VON AMERIKA
Schäume sind Träume
Damit wir wirklich klimaneutral leben und die Klimakrise einigermaßen in Schach halten können, werden wir wohl auch CO2 wieder aus der Atmosphäre holen müssen, also sogenannte Negativemissionen verursachen. Nur was danach tun? Wohin mit dem Gas? In aufgelassene Bohrstellen pumpen? Oder doch „Air-to-Beer-Karbonisierung“ wie bei einem Pub in Kalifornien? Ja, die Almanac Beer Company zieht mit einer Anlage auf ihrem Parkplatz tatsächlich CO2 aus der Umgebungsluft und verwendet es für die Kohlensäure in ihrem Bier. Nun gibt es nicht genug Brauereien auf der Welt, um damit die Erderhitzung zu stoppen. Aber die relativ kleinen, schnell reproduzierbaren Anlagen bringen frischen Wind in eine Branche, die bisher auf staatliche Förderungen, große Investoren wie Microsoft oder Einnahmen aus dem Verkauf von CO2-Zertifikaten angewiesen war. The New York Times hat sich genauer angesehen, wie die Abscheidung und Nutzung von CO2 ein rentables Geschäftsmodell werden soll.
ZUR NEW YORK TIMES
 
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Herzliche Grüße
Paul Koren

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