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| Liebe Leserinnen, liebe Leser!
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| Franz Els verbindet viel mit der Stadt Stockerau. Er ist hier nicht nur aufgewachsen, Els war auch mehr als 30 Jahre lang der Forstleiter der Gemeinde. In der Verwaltung hat er außerdem seine Frau kennengelernt – sie war die Stadtbuchhalterin. Umso schwerer fällt es ihm nun, sich der Gemeinde entgegenzustellen. Doch in Els‘ Augen zerstört die Stadt ihre ›Perle‹ – den Auwald, für den er fast sein ganzes Berufsleben verantwortlich war. Seit seiner Pensionierung werden immer wieder Flächen kahl geschlagen, alle Bäume und Sträucher entfernt, der Boden mit dem Häcksler bearbeitet. Dabei steht die Au in Stockerau gleich doppelt unter Schutz – als Natur- und Europaschutzgebiet.
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| Im April ist der pensionierte Forstleiter bis zum Äußersten gegangen und hat die Stadt bei der Staatsanwaltschaft wegen ›vorsätzlicher Beeinträchtigung der Umwelt‹ strafrechtlich angezeigt. Bürgermeisterin Andrea Völkl nimmt das persönlich. Denn die ÖVP-Stadtchefin ist überzeugt, die Kahlschläge seien der einzige Weg, um den Wald für zukünftige Generationen zu erhalten.
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Das Eschentriebsterben, verursacht durch einen zerstörerischen Pilz, setzt dem Auwald zu. Die Krankheit ist ansteckend, sie ist so gut wie unmöglich auszurotten. Die drastischen Maßnahmen sind notwendig, um das Eschentriebsterben einzudämmen, argumentiert die Stadt. Der Streit um den Umgang mit der Natur ist mittlerweile zu einem um den Umgang miteinander geworden. In einer Gemeinderatssitzung im Frühjahr wirft der ÖVP-Vizebürgermeister den Kahlschlaggegnern vor, mit ›biblischem Hass‹ zu agieren.
Hinter dem Kleinstadtdrama verbirgt sich aber ein größerer Konflikt, ein systemisches Versagen unserer Republik, das die EU-Kommission in Form zweier Vertragsverletzungsverfahren auf den Plan gerufen hat. Mehr dazu lest ihr in der aktuellen Breitengrade-Geschichte.
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| Eine der 21 Kahlschlagsflächen in der Stockerauer Au aus der Vogelperspektive. – Foto: Christopher Ohmeyer
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| Ich war übrigens bereits vor rund einem Jahr einmal in den Tullnerfelder Donau-Auen für eine Recherche unterwegs. Damals ging es um Österreichs ›Paper Parks‹, Schutzgebiete, die hauptsächlich am Papier bestehen, und darum, wie wir unseren Naturschutz reparieren können. Hier der Newsletter zum Text ›Auweh‹.
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| Wenn dir dieser Newsletter weitergeleitet wurde, kannst du ihn hier kostenlos abonnieren. Die nächste Ausgabe erscheint am 13. November.
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| Morgen erscheint die neue DATUM-Ausgabe. Den Breitengrade-Text kannst du hier schon vorab lesen. Auch im Rest des Hefts gibt es wieder einige Geschichten zu Klimakrise und Artenschutz, die ich dir empfehlen will. Heute geht’s dabei auch passenderweise um Konflikte mit der Wirtschaft. Doch zuerst: Das neue DATUM.
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| ›Wir schauen nicht mehr weg‹
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Vier Frauen rollen den Fall um den österreichischen Missbrauchstäter und Künstler Otto Mühl neu auf. Nach mehr als 35 Jahren liegen viele Fragen noch im Dunkeln: Welche Rolle spielte die Politik? Und konnte Mühl die Taten nach seiner Haft ungehindert fortsetzen? Chefredakteurin Christina Pausackl und Thomas Winkelmüller haben mit Mühls damaligen Opfern gesprochen, Archive durchforstet und versucht, Licht in die Sache zu bringen.
Der DATUM-Schwerpunkt beschäftigt sich mit der verdrängten Krankheit Long Covid. In der medikamentösen Behandlung gibt es nun neue Hoffnung, nur kommt sie von unerwarteter Seite: Ausgerechnet Psychopharmaka sollen jenen helfen, die mit dem Vorurteil zu kämpfen haben, ihre Beschwerden seien nur psychisch.
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| Die Natur um Anders Kärrstedts Heim wirkt wie unberührtes Land. Doch der Schein trügt. Hier, in Nordschweden, befindet sich eine Hochburg des Bergbaus. Der Rentierhüter Kärrstedt gehört zu den Sami, einem der letzten indigenen Völker Europas, die die Rentiere durchs Land führen – im Winter nach Westen, im Sommer nach Osten. Doch genau in dieser schmalen Migrationsroute wurde nun Europas größtes Vorkommen an Seltenen Erden gefunden. Seltene Erden sind essenziell für grüne Zukunftstechnologien, aber auch für das Militär im Ukrainekrieg. Werden mit der neuen Mine nicht nur der Boden, sondern auch die Rechte der indigenen Sami ausgehöhlt? Unser DATUM-Talent Christian Siess hat Kärrstedt in Schweden getroffen.
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| Wo nichts wächst, da wächst Quinoa. Die senfkorngroßen Samen werden als ›Superfood‹ gehandelt und wurden weltberühmt, weil sie trotz unwirtlichster Bedingungen und Klimakrise gedeiht. Nachdem die NASA sie bei ihren Weltraummissionen einsetzte, legte ihr Verkaufspreis einen Raketenstart hin: Er versechsfachte sich zwischen 2000 und 2008. Das brachte vielen der armen bolivischen Quinoa-Bauern ungekannten Wohlstand, sie schickten ihre Kinder zur Schule und kauften Traktoren. Dann platzte die Blase. Von der Goldgräberstimmung übrig geblieben sind ausgelaugte Böden und Schulden. Martin Zinggl ist zurück zum Ursprung des Quinoa-Booms nach Bolivien gereist und hat sich angesehen, wie es den Landwirten dort nun geht.
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Zum Schluss nochmal ein großes Dankeschön an dich dafür, dass du DATUM Breitengrade abonniert hast, bis zum Ende durchliest und weiterempfiehlst. Ich hoffe, dass du dem Newsletter auch künftig als Leser:in erhalten bleibst. Vielen Dank für deine Unterstützung!
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Was hältst du von Breitengrade? Hast du Verbesserungsvorschläge? Oder gibt es Themen, über die du gerne mehr lesen würdest? Schreib uns gerne an breitengrade@datum.at. Unser nächster Newsletter erscheint am 13. November.
Herzliche Grüße
Paul Koren
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