Was ein Kleinstadtdrama mit systemischem Versagen der Republik zu tun hat. ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌  ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌  ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌  ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌  ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌  ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌  ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌  ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌  ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ 
                                                           
DATUM Breitengrade
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Im April ist der pensionierte Forstleiter bis zum Äußersten gegangen und hat die Stadt bei der Staatsanwaltschaft wegen ›vorsätzlicher Beeinträchtigung der Umwelt‹ strafrechtlich angezeigt. Bürgermeisterin Andrea Völkl nimmt das persönlich. Denn die ÖVP-Stadtchefin ist überzeugt, die Kahlschläge seien der einzige Weg, um den Wald für zukünftige Generationen zu erhalten.
STADT GEGEN FÖRSTER
Das Eschentriebsterben, verursacht durch einen zerstörerischen Pilz, setzt dem Auwald zu. Die Krankheit ist ansteckend, sie ist so gut wie unmöglich auszurotten. Die drastischen Maßnahmen sind notwendig, um das Eschentriebsterben einzudämmen, argumentiert die Stadt. Der Streit um den Umgang mit der Natur ist mittlerweile zu einem um den Umgang miteinander geworden. In einer Gemeinderatssitzung im Frühjahr wirft der ÖVP-Vizebürgermeister den Kahlschlaggegnern vor, mit ›biblischem Hass‹ zu agieren.

Hinter dem Kleinstadtdrama verbirgt sich aber ein größerer Konflikt, ein systemisches Versagen unserer Republik, das die EU-Kommission in Form zweier Vertragsverletzungsverfahren auf den Plan gerufen hat. Mehr dazu lest ihr in der aktuellen Breitengrade-Geschichte.
Eine der 21 Kahlschlagsflächen in der Stockerauer Au aus der Vogelperspektive. – Foto: Christopher Ohmeyer
Ich war übrigens bereits vor rund einem Jahr einmal in den Tullnerfelder Donau-Auen für eine Recherche unterwegs. Damals ging es um Österreichs ›Paper Parks‹, Schutzgebiete, die hauptsächlich am Papier bestehen, und darum, wie wir unseren Naturschutz reparieren können. Hier der Newsletter zum Text ›Auweh‹.
Wenn dir dieser Newsletter weitergeleitet wurde, kannst du ihn hier kostenlos abonnieren. Die nächste Ausgabe erscheint am 13. November.
Morgen erscheint die neue DATUM-Ausgabe. Den Breitengrade-Text kannst du hier schon vorab lesen. Auch im Rest des Hefts gibt es wieder einige Geschichten zu Klimakrise und Artenschutz, die ich dir empfehlen will. Heute geht’s dabei auch passenderweise um Konflikte mit der Wirtschaft. Doch zuerst: Das neue DATUM.
DATUM November 2025
›Wir schauen nicht mehr weg‹
Vier Frauen rollen den Fall um den österreichischen Missbrauchstäter und Künstler Otto Mühl neu auf. Nach mehr als 35 Jahren liegen viele Fragen noch im Dunkeln: Welche Rolle spielte die Politik? Und konnte Mühl die Taten nach seiner Haft ungehindert fortsetzen? Chefredakteurin Christina Pausackl und Thomas Winkelmüller haben mit Mühls damaligen Opfern gesprochen, Archive durchforstet und versucht, Licht in die Sache zu bringen.

Der DATUM-Schwerpunkt beschäftigt sich mit der verdrängten Krankheit Long Covid. In der medikamentösen Behandlung gibt es nun neue Hoffnung, nur kommt sie von unerwarteter Seite: Ausgerechnet Psychopharmaka sollen jenen helfen, die mit dem Vorurteil zu kämpfen haben, ihre Beschwerden seien nur psychisch.
ZUR COVER-STORY (+)
Ausgehöhlt
Die Natur um Anders Kärrstedts Heim wirkt wie unberührtes Land. Doch der Schein trügt. Hier, in Nordschweden, befindet sich eine Hochburg des Bergbaus. Der Rentierhüter Kärrstedt gehört zu den Sami, einem der letzten indigenen Völker Europas, die die Rentiere durchs Land führen – im Winter nach Westen, im Sommer nach Osten. Doch genau in dieser schmalen Migrationsroute wurde nun Europas größtes Vorkommen an Seltenen Erden gefunden. Seltene Erden sind essenziell für grüne Zukunftstechnologien, aber auch für das Militär im Ukrainekrieg. Werden mit der neuen Mine nicht nur der Boden, sondern auch die Rechte der indigenen Sami ausgehöhlt? Unser DATUM-Talent Christian Siess hat Kärrstedt in Schweden getroffen.
ZUR TALENTE-GESCHICHTE
Die Quinoa-Blase
Wo nichts wächst, da wächst Quinoa. Die senfkorngroßen Samen werden als ›Superfood‹ gehandelt und wurden weltberühmt, weil sie trotz unwirtlichster Bedingungen und Klimakrise gedeiht. Nachdem die NASA sie bei ihren Weltraummissionen einsetzte, legte ihr Verkaufspreis einen Raketenstart hin: Er versechsfachte sich zwischen 2000 und 2008. Das brachte vielen der armen bolivischen Quinoa-Bauern ungekannten Wohlstand, sie schickten ihre Kinder zur Schule und kauften Traktoren. Dann platzte die Blase. Von der Goldgräberstimmung übrig geblieben sind ausgelaugte Böden und Schulden. Martin Zinggl ist zurück zum Ursprung des Quinoa-Booms nach Bolivien gereist und hat sich angesehen, wie es den Landwirten dort nun geht.
ZUR REPORTAGE (+)
 
 
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Herzliche Grüße
Paul Koren

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