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Also: Die Hagelversicherung rechnet am Ende dieses Trockensommers der Rekorde damit, dass Österreichs Bauern Umsatzeinbußen von rund einer Milliarde Euro zu verzeichnen haben werden – von Pflanzen, die nicht oder nicht ausreichend gewachsen sind, bis hin zu Vieh, das vorzeitig geschlachtet werden muss, weil es einfach nicht genug Gras auf Almen und anderen Weiden gibt und der Zukauf zu teuer wäre.
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Daraus stellt sich die politische Frage, an der sich die Koalitionsparteien gerade reiben: Sollen wir als Republik jenen Bäuerinnen und Bauern unter die Arme greifen, die sich nicht gegen Dürreschäden versichert haben? Und das, obwohl der Staat die Versicherungsprämien ohnehin bereits mit 55 Prozent bezuschusst. 

Nur zur Einschätzung: Der Hagelversicherung zufolge sind von der Milliarde an Schäden etwa 400 Millionen Euro durch Versicherung abgedeckt – Defizite gibt es vor allem bei den Grünlandflächen (und somit beim Futter), wo nur rund 40 Prozent versichert sind. 

Wer jetzt behauptet, dass es eine einfache Antwort auf die Frage gibt, wie wir damit umgehen, lügt. Natürlich kann man so tun, als ob Bauern Unternehmer wie alle anderen sind, und wer sich gegen absehbare Schäden nicht versichert, hat halt Pech gehabt. Das lässt aber die elementare Bedeutung der Landwirtschaft und deren prekäre Lage außer Acht: Die Zahl der bäuerlichen Betriebe sinkt immer weiter – bei der letzten Erfassung 2023 waren es knapp über hunderttausend, ein Minus von neun Prozent binnen gerade einmal drei Jahren. 

Wer sagt, na ist halt so, Marktkräfte und survival of the fittest, wird auch die Frage beantworten müssen, wie er sich Ernährungssicherheit in einer Zeit vorstellt, in der wir immer öfter feststellen müssen, dass globale und auch europäische Lieferketten bei Weitem nicht so sicher sind, wie wir das gerne hätten. Und wie es mit den Preisen für Grundnahrungsmittel – in den vergangenen Jahren schon ein starker Treiber der Inflation – weitergehen wird, wenn ein Staat den Ausfall beträchtlicher Produktionskapazitäten einfach so hinnimmt. 

Andererseits hat Finanzminister Markus Marterbauer recht, wenn er festhält, ein „Koste es, was es wolle“ könne und dürfe es angesichts der klammen Budgetsituation nicht mehr geben. (Nebenbei: Wie an dieser Stelle schon öfter angemerkt, wäre motivierteres Sparen bei der Budgeterstellung – etwa bei den Pensionen – auch deswegen angebracht, um in Krisen mehr finanziellen Spielraum zu haben.) Und dass nicht jene die Dummen sein dürfen, die sich für viel Geld versichert und/oder bereits vorausschauend an die Gefahren des Klimawandels angepasst haben. 

Lässt sich das auf einen Nenner bringen? Mit ein bisschen Phantasie sicher. 

Erstens wären Dürrehilfen so aufzusetzen, dass wirklich nur existenziell bedrohte Betriebe Anspruch auf staatliche Mittel haben – und idealerweise in Form von rückzahlbaren Krediten und Haftungen, sodass dem Steuerzahler möglichst wenig Aufwand entsteht. 

Zweitens müsste die Koalition Hilfsmaßnahmen mit messbaren Auflagen zur Klimawandelanpassung für betroffene Betriebe verknüpfen – mit dem Ziel, bei künftigen Dürren nicht mehr eingreifen zu müssen. 

Und drittens ist es auf koalitionärer Ebene durchaus sinnvoll, solche Hilfen gegen eine Einigung beim Klimaschutzgesetz abzutauschen. Auch wenn Österreich alleine mit seiner Emissionsreduktion wenig bewegen kann: Natürlich ist die Häufung solcher Extremereignisse eine Folge jener Treibhausgase, die auch wir seit Jahrzehnten ausstoßen. Maßnahmen zu erzwingen, wie wir unseren Beitrag leisten, diesen Trip zu beenden, ist längst an der Zeit – und wenn die Dürre endlich den Bewusstseinswandel dafür schafft, hätte sie wenigstens ein Gutes gehabt.

Herzlich,
Ihr Georg Renner

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